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Bächtelis, Stefani und Auffahrt

Kleine Einführung in die Schweizer Nationalfeiertage

Wenn in der Schweiz riesige Holzfeuer entzündet, gekochte Eier in lustiger Runde aneinander geschlagen oder Brunnen mit Blumen reich dekoriert werden, dann feiern die Schweizer meist einen Feiertag. Dabei haben die insgesamt 26 Kantone der Schweiz eine grosse Freiheit, ihre kantonalen Feiertage selbst festzulegen. Nur der 1. August gilt als kantonsübergreifender und damit schweizweiter Nationalfeiertag. Doch wie wird dieser begangen? Und welche Feiertage werden eigentlich im Thurgau gefeiert?

Der Bundesfeiertag am 1. August: Schweizer Nationalfeiertag seit 1994

Auch wenn der einzige, nationale Feiertag der Schweiz erst seit drei Jahrzehnten in allen Kantonen als arbeitsfrei gilt, geht seine Geschichte bereits bis ins Jahr 1891 zurück. Damals wurde der Tag zum ersten Mal anlässlich der Gründung der Eidgenossenschaft 1291 in Bern gefeiert. Seit 1899 wird die Bundesfeier auch in allen anderen Kantonen begangen , doch erst mit dem Volksentscheid von 1994 ist der 1. August jedes Jahr auch schweizweit ein arbeitsfreier Tag. Dabei gehören Bräuche wie das Bauernhoffrühstück, zu welchem die Schweizer Bauerhöfe dann einladen, das Abbrennen von Feuerwerken, Lampionumzüge von Kindern sowie das Entzünden von Höhenfeuern auf den Schweizer Bergen zum Brauchtum. Pünktlich um 20 Uhr am 1. August erklingen zudem die Kirchenglocken in allen Schweizer Gemeinden eine ganze Viertelstunde lang. Im Thurgau hat sich übrigens die Gemeinde Ermatingen zu einem 1. August Hot-Spot entwickelt: Dort findet auf der Stedi ein grosses Fest mit Live-Musik und verschiedenster Kulinarik statt.

Arbeitsfreie Feiertage im Thurgau

Neujahrstag am 1. Januar

Der 1. Januar und damit das neue Jahr wird auch im Thurgau traditionell mit Feuerwerk und Glockenläuten um Mitternacht begrüsst. Dabei findet das grösste Silvesterfeuerwerk, das vom Thurgau aus wunderbar genossen werden kann, am Rheinfall in Schaffhausen statt. Am nächsten Tag treffen sich die Menschen zur Neujahrsmesse und verbringen anschliessend den Tag gemeinsam in privater Runde, um vielleicht auch neue Kräfte für den kommenden Tag, den Berchtoldstag, zu sammeln.

Berchtoldstag, 2. Januar und Bechtelistag, 3. Montag im Januar, in Frauenfeld

Der Bächtelistag, wie der Berchtoldstag auch gerne genannt wird, folgt auf den Neujahrstag und wird ähnlich gesellig verbracht: Man trifft sich in Kneipen und Restaurants, wo Musikkapellen aufspielen und wo die traditionelle Bächtelswurst zu Bächtelsweggen gereicht wird. In einigen Gemeinden finden zudem Maskenumzüge statt. Als „Bächtelishauptstadt“ gilt im Thurgau Frauenfeld. Hier wird der „Bechtelistag“ seit dem 13. Jahrhundert am dritten Montag im Januar gefeiert. Dabei folgt auf das festliche Bechtelismahl im Rathaus der Maskenball, auf dem die schönste Maskierung gekürt wird. Die ganze Nacht hindurch wird dann in Frauenfeld gefeiert und neben dem Rathaus haben alle Restaurants und Kneipen geöffnet.

Karfreitag

Als religiöser Feiertag wird am Karfreitag zum Gottesdienst um 15 Uhr dem Tod Jesu am Kreuz gedacht. An diesem kirchlichen Feiertag herrscht ein gesetzliches Tanz- und Lärmverbot und es wird traditionell nur Fisch und kein Fleisch gegessen. In einigen Thurgauer Orten gibt es zudem die Tradition des Eierfärbens und des Eiertütschens, bei welchem gekochte Eier gegeneinander geschlagen werden. Derjenige, dessen Eierschale dabei ganz bleibt, hat gewonnen.

Ostermontag

Der kirchliche Feiertag, bei welchem im Gottesdienst die Begegnung Jesu mit seinen Jüngern nach dessen Auferstehung gefeiert wird, geht im Thurgau mit dem Schmücken von Brunnen mit Blumen und gefärbten Eiern einher. Nach dem Gottesdienst am Morgen treffen sich viele Thurgauer zudem zum Emmausgang, einem besinnlichen Spaziergang durch die in Blüte stehende Frühlingslandschaft. Abends werden auch vielerorts Fackelwanderungen unternommen.

Tag der Arbeit, 1. Mai

Am Tag der Arbeiterbewegung wird jenen Arbeitern gedacht, die 1886 in Chicago in Generalstreik gingen, um den 8-Stunden-Arbeitstag von ihren Arbeitgebern einzufordern. Seit Ende der 1970er ist der 1. Mai auch im Thurgau ein Feiertag, an welchem politische Kundgebungen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen stattfinden. Zudem wird in manchen Gemeinden der Maibaum, ein mit Blumen geschmückter Baumstamm, der den Sommerbeginn symbolisiert, feierlich aufgestellt.

Auffahrt (Christi Himmelfahrt), 40 Tage nach Ostern

Auffahrt oder Christi Himmelfahrt wird in vielen Thurgauer Gemeinden mit Gottesdiensten und Prozessionen gefeiert, in denen traditionell um eine gute Ernte gebetet wird. Bei gutem Wetter steigen an Auffahrt auch viele Heissluftballons in die Luft und es werden auch mancherorts Kräuter, die sogenannten Auffahrtskräuter, gesammelt.

Pfingstmontag, 50 Tage nach Ostern

Pfingsten ist ein Kirchenfest, bei welchem der Heilige Geist, der nach biblischer Erzählung die Jünger Jesu 50 Tage nach dessen Auferstehung erfasst hatte, traditionell geehrt wird. Das auch als „Geburtstag des Kirche“ bezeichnete Fest geht in vielen Thurgauer Gemeinden mit Pfingstfeuern und Taubendekorationen einher. Dabei symbolisiert die Taube den Heiligen Geist. Als Symbol der Fruchtbarkeit wird in ländlichen Regionen zudem gerne ein Rind festlich geschmückt und zur Weide geführt.

Weihnachtstag, 25. Dezember

Am Tag nach der Geburt Jesu besuchen die Thurgauer den Gottesdienst. Danach werden traditionelle Gerichte wie die Stopfete (Kräuter-Gewürz-Fondue), Birre und Stock (Gericht aus Birnen, Kartoffeln und Weisswein), Öpfelchüechli (Apfelküchlein), Thurgauer Schmorbraten vom Rind oder Thurgauer Rinder-Sauerbraten mit Apfelrotkohl und Kartoffelklössen gemeinsam gegessen.

Stefanitag, 26. Dezember

Im Gedenken an den Heiligen Diakon Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt, wird der Stefani meist im Kreise der Familie begangen. Man trifft sich zum Essen und sitzt gemütlich beisammen.

Neugierig geworden? Wunderbar! Kochen Sie die traditionellen Gerichte nach, nehmen Sie an den Feierlichkeiten und Bräuchen der Schweizer Feiertage teil und lernen Sie Land und Kultur auf diese Art besser kennen. Sie werden sehen: Ihr Herz wird sich für die Schweizer Kultur öffnen.

Viel Spass dabei wünscht Ihnen,

Ihre Olga Mühlethaler