Auf Stippvisite in der Schweizer Sprachlandschaft
Mit ihren vier offiziell anerkannten Sprachen und der Vielfalt an weiteren, im Alltag gesprochenen Sprachen und Dialekten ist die Schweiz eine der sprachlich vielfältigsten Nationen der Welt. Dabei zählt das Alpenland mit lediglich 41.277 km2 Fläche zu den kleineren Ländern der Welt. Aber wie ist diese Mehrsprachigkeit auf so kleinem Raum entstanden? Wie werden die Sprachbarrieren überbrückt? Und welche Sprache wird eigentlich in der Schweizer Sauna gesprochen?
Geografisch bedingte Vielsprachigkeit
Um die Multilingualität in der Schweiz zu erklären, beamen wir uns zurück in die Zeit der Völkerwanderung. Diese begann mit dem Vorstoss der aus Zentralasien kommenden Hunnen nach Europa ab circa 375 n. Chr. Infolge dieser umfangreichen Migrationsbewegungen siedelten sich auch alemannische Germanen auf dem Gebiet der heutigen Ost- und Nordostschweiz sowie burgundische Germanen in der heutigen Westschweiz an und vermischten sich dort mit den bereits ansässigen Kelten und Romanen. Doch das fruchtbare, von den Alpengipfeln geschützte und an wichtigen transeuropäischen Handelsrouten liegende Land weckte schon bald auch bei den europäischen Herrschern Begehrlichkeiten.
Politisch bedingte Vielsprachigkeit
Um sich gegen die Okkupationsbestrebungen der Habsburger zu wehren, sicherten sich die Regionen Uri, Schwyz und Unterwalden am 1. August 1291 im Bundesbrief gegenseitige Hilde im Kampf gegen Feinde von aussen zu. Seither gilt der 1. August als Nationalfeiertag der Schweiz. Mit der Mediationsakte, die Napoleon Bonaparte 1803 erliess, wurden die Kantone und ihre unterschiedlichen Sprachen zudem erstmals als gleichberechtigt anerkannt und schliesslich wurde auch in der Bundesverfassung von 1848 die Mehrsprachigkeit der Schweiz verfassungsrechtlich fixiert.
Überbrückung der Sprachbarrieren
Da alle vier Landessprachen in der Schweiz gleichberechtigt sind, müssen alle offiziellen Dokumente und Websites des Landes sowohl auf Deutsch und Französisch als auch auf Italienisch und Rätormanisch bereitgestellt werden. Zudem werden die Sprachen auch in den Schulen gelehrt:
Schweizerdeutsch = Vielfalt an alemannischen Dialekten
62,6% der Schweizer Bevölkerung sprechen Schweizerdeutsch. Damit ist jedoch nicht eine einheitliche Sprache gemeint, sondern das Schweizerdeutsche fasst eine Vielfalt alemannischen Dialekten zusammen. In der Deutschschweiz, die 21 Kantone umfasst und sich von der Nord- und Ostschweiz über die Nordwest- und Zentralschweiz bis ins Mittelland erstreckt, wird an den Schulen mehrheitlich der Sprachunterricht in der Zweitsprache Französisch angeboten. Zudem gibt es als Wahlfach in vielen deutschschweizerischen Kantonen auch Italienisch.
Die Romandie = Französischsprachige Schweiz
22,9 % der Schweizer Bevölkerung sprechen Französisch und wohnen hauptsächlich im Westen der Schweiz. Insbesondere in den Kantonen Genf, Waadt, Jura und Neuenburg sowie in den Teilen der Kantone Bern, Freiburg und Wallis wird Französisch im Alltag gesprochen. An den Schulen wird vorwiegend die zweite Schweizer Amtssprache Deutsch sowie als Wahlfach Italienisch angeboten.
Das Tessin = Italienischsprachige Schweiz
8,2 % der Schweizer Bevölkerung sprechen Italienisch und leben südlich des Alpenhauptkamms im Tessin sowie in den vier Graubündner Tälern Misox, Calancatal, Bergell und Puschlav. Auch hier ist die an den Schulen gelehrte zweite Amtssprache Deutsch mit Wahlfach Französisch.
Rätoromanisch = 5 Idiome mit der Schriftsprache Rumantsch Grischun
0,5 % der Schweizer Bevölkerung sprechen heute noch Rätoromanisch. Dabei wird das Gebiet, wo Rätoromanisch als Amtssprache gilt, als Rumantschia bezeichnet und erstreckt sich über diese fünf Täler des Kantons Graubünden: So wird im Vorderrheintal Surselvisch, im Hinterrheintal das Idiom Sutsilvan, im Oberhalbstein/Albulatal Surmeirisch, im Oberengadin Puter und im Unterengadin Vallader gesprochen. Erst in den 1970er wurde auf Initiative des romanischen Sprachvereins Lia Rumantscha eine gemeinsame Schriftsprache, das Rumantsch Grischun entwickelt, welche seit 2001 die offizielle Amtsschriftsprache in den rätoromanischen Sprachgebieten der Schweiz bildet.
Multilingualität gehört zur DNA der Schweiz
Die Schweiz ist ein Einwanderungsland, denn ein Fünftel der heutig hier ständig wohnenden Bevölkerung besitzt eine ausländische Nationalität. Daher verwundert es nicht, dass in vielen schweizerischen Familien gleich mehrere Sprachen gesprochen werden. Neben den vier Landessprachen und dem Englischen gehören dazu vor allem Portugiesisch, Türkisch, Spanisch, Serbisch, Kroatisch und Albanisch. Und was wird nun eigentlich in der Schweizer Sauna gesprochen? Schwitzer Dütsch natürlich!
Uf Widersehe
Adieu
A presto
A revair
Ihre Olga Mühlethaler